Ein kurzer Blick in die Geschichte

 

Am 5. November 1414 wurde das Konzil mit einem feierlichen Pontifikalamt nach nur knapp elf monatiger Vorbereitungszeit eröffnet. Die Stadt Konstanz wurde zum Austragungsort des bis dahin größten Kongresses des Mittelalters. 29 Kardinäle, ca. 250 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, mehr als 150 Äbte und Prioren hunderte Universitätsgelehrte und viele Fürsten und Gesandte zahlreicher Länder, Universitäten und Städte kamen mit ihrem Tross in die Reichsstadt. Die Schätzungen schwanken von 30.000 bis 72.000 Gäste gegenüber der Einwohnerzahl von 6.000-7.000.

In den ersten Versammlungen wurden die wichtigsten Probleme ins Visier genommen:

  • Bei Gewährleistung freier Rede sollten die Irrlehren von John Wyclif und der Böhmen - Johannes Hus und dann später Hieronymus von Prag -  widerlegt werden. (causa fidei)
  • Das seit 1378 währende Schisma sollte überwunden werden.
    Das Konzil von Pisa (1408/09) hatte die beiden Päpste abgesetzt und einen dritten Papst gewählt.
    Die Absetzungen konnten allerdings nicht durchgesetzt werden. (causa unionis)
  • Die nötigen Reformen innerhalb der Kirche sollten angegangen und auf weiteren Konzilien fortgeführt werden. (causa reformationis)

 

Vier Jahre lang tagte das Konzil ununterbrochen in Konstanz.

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehörten:

  • Die Überwindung des Schismas.
    Am 11.11.1417 wurde Papst Martin V zum alleinigen Papst gewählt.
  • Die Reformbemühungen und das Dekret „frequens“
    Bei den Reformbemühungen kam das Konzil nur schleppend voran. Zu viele Probleme hatten sich aufgestaut. Sie betrafen u.a. Missstände um die Verteilung der Pfründen, eine Reform und Verkleinerung der Kurie, die Lebensweise der Kleriker. Einige Beschlüsse konnten durchgeführt werden. Dafür beschloss das Konzil das Dekret „Frequens“ (häufig), dass zunächst in 5, dann in 7 und schließlich alle 10 Jahre ein Konzil abzuhalten sei und dort die nötigen Reformen in der Kirche unbedingt weiterbearbeitet werden müssen. Die Konzilsväter waren sich einig, dass der beste Weg zur Reform die häufige Abhaltung von Konzilien sei. Ein Thema, das heute noch äußerst aktuell ist.
  • Konzilarismus – steht das Konzil über dem Papst?
    Als unmittelbare Reaktion auf die Flucht von Johann XXIII beschloss das Konzil im Dekret „Haec Sancta“, die Oberhoheit des Konzils über den Papst. „Diese heilige Synode hat - rechtmäßig im Geist versammelt – ihre Gewalt unmittelbar von Christus und jedermann, gleich welchen Standes, und sei es auch des päpstlichen, hat ihr in Sachen des Glaubens, der Überwindung des Schismas und der Reformen zu gehorchen“. Mit diesem Beschluss setzte das Konstanzer Konzil einen Markierungsstein in der Spannung zwischen päpstlicher und konziliarer (synodaler) macht, die bis heute heftig in der Diskussion ist.
  • Die Verurteilung und Verbrennung von Jan Hus und Hieronymus von Prag
    Nach einem langen Prozess wurde am 06.07.1415 Jan Hus verurteilt und hingerichtet. Er hatte insbesondere den sakramental-hierarchischen Kirchenbegriff bestritten und Missstände angeprangert. Das gleiche Schicksal widerfuhr am 30.05.1415 seinem Mitstreiter Hieronymus von Prag.

 

Wenn Sie sich mehr für die Geschichte, aber auch die aktuellen Bezüge interessieren, haben wir auf der folgenden Seite einige ausgewählte Literatur für sie zusammengestellt.