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Kirche des Monats

St. Laurentius, Markelfingen

 

Wer von Radolfzell auf der alten B33 Richtung Konstanz fährt sieht plötzlich rechts den Bodensee und vor sich den massiven Turm der St. Laurentius Kirche von Markelfingen. Seine Grundmauern stammen aus romanischer Zeit.

Markelfingen wurde erstmals 724 in der Reichenauer Schenkungsurkunde des fränkischen Hausmeier Karl Martell (Großvater Karls des Großen) an den hl. Bischof Pirmin zur Gründung des Klosters Reichenau erwähnt, und blieb bis 1803 reichenauisch.

 Um 980 stand eine kleine romanische Vorgängerkirche an der Stelle der um 1462 (Jahreszahl im Chorbogen) erbauten gotischen Pfarrkirche. Geblieben ist von ihr bis heute nur der Chorraum. Das gotische Altarbild hängt nun im Augustinermuseum Freiburg. Aus der gotischen Kirche erhalten geblieben ist auch die Kreuzigungsgruppe an der Südwand der Kirche. Das Mittelalterliche Kreuz (um 1570) und Maria und Johannes sind eine eindrucksvolle Darstellung.
 

Die St. Laurentius Kirche wurde 1612 (Jahreszahl am Westportal) wesentlich erweitert. Die Größe der heutigen Kirche ist die der Kirche von 1612.
Die 15 Lindenholzmedaillons an der Südseite im Chor werden auf 1620 datiert. Sie zeigen die Rosenkranzgeheimnisse, die 3 Gesätze.

Um 1612, mit der Erweiterung, entstanden Wandmalereien mit Jesus, Maria und den 12 Aposteln, eine theologische Überlegung des hl. Hieronymus und des hl. Pirmin. Jedem Apostel  wird ein Teil des Glaubensbekenntnisses zugeordnet, eine Darstellung des Pfingstfestes. Neueste Forschungen ordnen diese gut erhaltenen und schönen Wandmalereien der Werkstatt des „Meisters von Meßkirch" zu. Von 1740 bis 1884 waren diese Wandmalereien durch Überstreichung verdeckt.

Oben über dem Chorbogen sind die Pietà, St.Georg und St.Martin - Figuren aus der Wallfahrtskapelle Markelfingen - angebracht.

Die beiden Seitenaltäre und der Hochalter (er wurde 1958 entfernt) entstanden mit der Barockisierung der Kirche um 1740. Links Petrus und Paulus sowie Andreas darüber im Medaillon der hl. Nikolaus und rechts Anna Selbdritt mit Johannes dem Täufer und Johannes Evangelist, darüber ein Medaillon des hl. Sebastian. Geschaffen wurden die Altarbilder von Anton Bastian aus Konstanz.

Die Gnadenmutter und der hl. Josef an der Nordwand werden mit 1700 datiert.

Im Chorraum befinden sich St. Laurentius (rechts) und St. Pankratius (?)(links) vom früheren barocken Hochaltar, sie sind um 1760 entstanden.

Das farbige Kirchenfenster des Kunstmalers Hans Breinlinger aus Konstanz wurde bei der Sanierung 1958 eingesetzt. Die Orgel wurde 1987 installiert.

Der heutige Hochaltar (1985) in seiner sehr einfachen Form ist eine Nachbildung des Altars in der Krypta des Klosters Disentis in der Schweiz. Die beiden Sandsteinkreuze in Altar und Ambo erinnern an das Siegel der Amänner des Klosters Reichenau.

Bei der großen Innensanierung 2008 wurden Nazarenermalereien (um 1840) freigelegt und hervorragend restauriert. Die sechs Engel von St. Laurentius erzählen uns vom Engagement und Glauben einer Passionsbruderschaft von Markelfingen, auch wenn diese Malerei um 1884 bei der damaligen Sanierung bereits wieder zugedeckt wurde. Ebenfalls 2008 wurde eine leider stark zerstörte Wandmalerei – eine Ölbergszene - freigelegt. Wir wissen heute, dass 1612 die ganze Kirche mit Wandmalereien ausgemalt war.

Markelfingen war anfangs Teil der Pfarrgemeinde St. Peter und St. Paul Reichenau- Niederzell. Offiziell ist die Selbständigkeit der Pfarrei St. Laurentius auf 1364 datiert.

Heute ist die Pfarrei St. Laurentius Markelfingen eingebunden in die Seelsorgeeinheit St. Radolt Radolfzell.

Text: Helmut Haselberger
Fotos: Ulrike Haselberger

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